
Wie funktioniert die EcoVadis-Bewertung?
Viele Unternehmen gehen davon aus, dass EcoVadis lediglich vorhandene Zertifikate bewertet. Tatsächlich betrachtet EcoVadis jedoch das gesamte Nachhaltigkeitsmanagement eines Unternehmens. Bewertet wird nicht nur, welche Richtlinien existieren, sondern auch, wie diese umgesetzt werden und welche Ergebnisse sie erzielen.
Die Bewertung erfolgt über einen strukturierten Fragebogen, der individuell auf das Unternehmen zugeschnitten wird. Dabei werden unter anderem folgende Faktoren berücksichtigt:
- Unternehmensgröße
- Branche
- Länder, in denen das Unternehmen tätig ist
- Art der Produkte oder Dienstleistungen
- Nachhaltigkeitsrisiken der jeweiligen Branche
Dadurch erhält nicht jedes Unternehmen denselben Fragebogen. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Risikoprofil.
Welche Unterlagen müssen eingereicht werden?
EcoVadis bewertet Unternehmen anhand belastbarer Nachweise. Aussagen ohne entsprechende Dokumentation werden in der Regel nicht berücksichtigt.
Je nach Unternehmen können unter anderem folgende Dokumente relevant sein:
- Umweltpolitik und Qualitätspolitik
- Nachhaltigkeitsrichtlinie
- Verhaltenskodex (Code of Conduct) und Lieferantenkodex
- Compliance-, Menschenrechts- und Antikorruptionsrichtlinie
- Arbeits- und Gesundheitsschutzrichtlinie
- Datenschutzrichtlinie
- Schulungsnachweise und interne Auditberichte
- Managementbewertungen und Risikoanalysen
- Lieferantenbewertungen und Nachhaltigkeitsberichte
- Kennzahlen zu Energie, Abfall oder Emissionen
- Zertifikate (z. B. ISO 9001, ISO 14001 oder ISO 45001)
Je vollständiger und aktueller die Nachweise sind, desto besser kann EcoVadis die Nachhaltigkeitsleistung bewerten.
Die EcoVadis-Bewertungsmethodik: Drei Säulen
Die Bewertung basiert auf drei zentralen Säulen:
1. Richtlinien (Policies)
Hier wird geprüft, ob das Unternehmen verbindliche Vorgaben und Strategien zu den relevanten Nachhaltigkeitsthemen festgelegt hat, beispielsweise Umweltpolitik, Ethikrichtlinie, Menschenrechtspolitik oder Compliance-Richtlinien. Entscheidend ist, dass diese Richtlinien dokumentiert, kommuniziert und von der Unternehmensleitung unterstützt werden.
2. Maßnahmen (Actions)
Richtlinien allein reichen nicht aus. EcoVadis bewertet auch, welche konkreten Maßnahmen umgesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Mitarbeiterschulungen, interne Audits, Lieferantenbewertungen, Umweltprogramme, Energieeinsparmaßnahmen, Arbeitsschutzmaßnahmen, Hinweisgebersysteme und Compliance-Kontrollen. Unternehmen müssen nachweisen können, dass ihre Richtlinien aktiv umgesetzt werden.
3. Ergebnisse (Results)
Im dritten Schritt wird bewertet, welche Ergebnisse durch die umgesetzten Maßnahmen erzielt wurden: sinkender Energieverbrauch, reduzierte CO₂-Emissionen, geringere Unfallzahlen, verbesserte Recyclingquoten, abgeschlossene Schulungen oder umgesetzte Verbesserungsmaßnahmen. Je besser Kennzahlen dokumentiert und regelmäßig überwacht werden, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.
Die vier Bewertungsbereiche im Detail
Die Bewertung erfolgt in vier Themenfeldern:
Umwelt
Bewertet werden unter anderem Energieverbrauch, Emissionen, Ressourcenverbrauch, Wasser, Abfall, Umweltmanagement, Biodiversität und Klimastrategie. Unternehmen mit einem Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 verfügen häufig über gute Voraussetzungen.
Arbeits- und Menschenrechte
Hier stehen die Mitarbeitenden im Mittelpunkt: Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz, Weiterbildung, Diversität, Gleichbehandlung, faire Arbeitsbedingungen und der Schutz der Menschenrechte. Unternehmen mit einer Zertifizierung nach ISO 45001 können viele Anforderungen bereits gut nachweisen.
Ethik
Dieser Bereich umfasst die Integrität des Unternehmens: Korruptionsprävention, Compliance, Datenschutz, Informationssicherheit, Interessenkonflikte, Hinweisgebersysteme, Wettbewerbsrecht und verantwortungsvolle Unternehmensführung.
Nachhaltige Beschaffung
Hier wird bewertet, wie nachhaltig Lieferanten ausgewählt und überwacht werden: Lieferantenkodex, ESG-Anforderungen, Lieferantenbewertungen, Risikoanalysen, Audits und Maßnahmen bei Verstößen. Gerade internationale Lieferketten spielen hierbei eine immer größere Rolle.
Warum reichen Zertifikate allein nicht aus?
Viele Unternehmen gehen davon aus, dass eine ISO-Zertifizierung automatisch zu einer guten EcoVadis-Bewertung führt. Dies ist jedoch nicht der Fall.
Zertifikate sind wertvolle Nachweise und können die Bewertung positiv unterstützen. Entscheidend ist jedoch, dass die dahinterliegenden Prozesse tatsächlich gelebt und dokumentiert werden.
EcoVadis bewertet nicht nur, ob ein Managementsystem vorhanden ist, sondern auch dessen praktische Umsetzung und Wirksamkeit.
Welche Rolle spielen ISO-Normen?
Ein bestehendes Managementsystem kann die Vorbereitung auf EcoVadis deutlich erleichtern. Besonders hilfreich sind unter anderem:
- ISO 9001 (Qualitätsmanagement)
- ISO 14001 (Umweltmanagement)
- ISO 45001 (Arbeits- und Gesundheitsschutz)
- ISO/IEC 27001 (Informationssicherheitsmanagement)
- ISO 50001 (Energiemanagement)
Diese Zertifizierungen decken viele Anforderungen ab und liefern wichtige Nachweise für die Bewertung.
Typische Schwachstellen in der Praxis
In der Praxis zeigt sich häufig, dass Unternehmen zwar bereits viele Maßnahmen umgesetzt haben, diese jedoch nicht ausreichend dokumentieren. Zu den häufigsten Schwachstellen gehören:
- fehlende schriftliche Richtlinien
- unvollständige Nachweise
- keine dokumentierten Kennzahlen
- fehlende Lieferantenbewertungen
- keine regelmäßigen Managementbewertungen
- unzureichende Schulungsnachweise
- fehlende Nachhaltigkeitsziele
- keine dokumentierten Verbesserungsmaßnahmen
Gerade diese Punkte kosten häufig wertvolle Bewertungspunkte.
Fazit: Systematik schlägt Einzeldokumente
Eine gute EcoVadis-Bewertung entsteht nicht durch einzelne Dokumente oder Zertifikate, sondern durch ein systematisch aufgebautes und nachweisbar umgesetztes Nachhaltigkeitsmanagement.
Unternehmen, die ihre Richtlinien, Maßnahmen und Ergebnisse strukturiert dokumentieren, schaffen nicht nur die Grundlage für einen guten EcoVadis-Score, sondern verbessern gleichzeitig ihre internen Prozesse und ihre Position im Wettbewerb.
Im dritten Teil dieser Blogreihe beantworten wir die häufigsten Fragen rund um EcoVadis, erklären Medaillen und Badges und zeigen, wie Unternehmen sich optimal auf ihre erste Bewertung vorbereiten. Sie möchten direkt loslegen? Sprechen Sie uns an – wir begleiten Sie bei der strukturierten Vorbereitung.



